Welche Rasse passt zu mir oder passe ich mich an?

Wieso kaufst Du Dir einen Hund? Diese Frage kann man ganz pragmatisch stellen: Was ist Deine Motivation, Dir einen Hund zu kaufen. Genau, ganz unromantisch, nicht umschrieben, im Sinne von: «Wir laden ein neues Familienmitglied in unsere Familie ein», weil kaufen so nach Ware erstehen tönt. Einladen assoziiert man mit Freundschaft, Wärme, willkommen sein.

Wenn wir Freunde einladen, bezahlen wir nicht mit Geld, weil Freunde in den meisten Fällen eben nicht käuflich sind. Hunde hingegen schon. Und nun für alle «wir kaufen unsere Hunde nicht mit Futter-Menschen», darum geht es mir in diesem Beitrag gänzlich nicht. Sondern einzig und alleine darum, weshalb wir uns einen Hund kaufen und was unsere innere Haltung dabei ist.
Wenn ich nach der Motivation frage, den Lebensalltag mit einem Hund zu teilen, wird es sehr oft sehr emotional: «Weil wir uns so freuen und Hunde so gerne mögen, weil ich als Kind schon ein grosses Herz für Hunde hatte, weil ich einem armen Hund aus dem Tierschutz ein besseres Leben geben möchte, weil ich mich seit Corona so einsam fühle».
Das sind alles durchaus sehr plausible intrinsische Motive und die Liste lässt sich beliebig und unendlich erweitern. Und dann gibt es eben noch die sehr extrinsisch motivierten Hundehalter in spe, welche ihren Hund nach den Nutzungsbedingungen auswählen. Tönt furchtbar, ist es auch. Darunter fallen zum Beispiel Hundehalter, die den Pokal schon in der Vitrine haben und nur noch den passenden Hund dazu erstehen wollen. Auf den Pokalen steht dann eingraviert: Agility Large Rang 1; Begleithundeprüfung BH 3 Platz 1; Lawinenhundeprüfung Rang xy etc. Diese Menschen machen die Karriereplanung, bevor der Welpe überhaupt das Licht der Welt erblickt hat. Sie unterscheiden zwischen Leistungszucht und Schönheitslinie und haben für die rein Schönen ein müdes Lächeln übrig. Oder der zukünftige Vierbeiner soll als Therapiehundeprofi die Welt beglücken, das rote Halstuch mit dem Aufdruck THERAPIEHUND AT WORK hängt gebügelt und gestärkt im Schrank bereit.
Natürlich macht es Sinn, sich über das zukünftige Leben seines Vierbeiners und dessen Interessen und rassetypischen Eigenschaften ausreichend Gedanken zu machen. Ist sogar Voraussetzung, um zu entscheiden, ob die Art Hund in das zukünftige Lebensumfeld passt. Wenn ich eher etwas gemütlicher unterwegs bin, muss ich mir keinen Malinois aus einer Leistungszucht holen. Wenn ich im 10. Stock wohne und keinen Lift habe, mache ich mir Gedanken darüber, ob ich einen 30 Kilo Hund im Alter dort hochbekomme oder bereit bin, die Wohnung zu wechseln. Wenn ich in einem Mehrfamilienhaus lebe, wo ständig Leute kommen und gehen, ist ein Herdenschutzhund auch nicht gerade sinnhaft ausgesucht. Oder, wenn ich einen Mini fahre und einen Landseer möchte, gewillt bin, mir ein passenderes Auto zu kaufen.
Es gibt eine Liste von Entscheidungskriterien, die man unbedingt mal durchgehen sollte, wenn man sich für eine bestimme Rasse oder einen bestimmten Hundetyp entscheidet. Die Agy-Menschen finden Bordercollies cool; die Dummyleute möchten einen Retriever, die Helfermenschen schwören auf einen mit Locken, die Freiheitsliebenden vergucken sich öfters in einen Rhodesian Ridgeback, die Mitövreisenden finden einen Havaneser sehr passend.
Das finde ich alles tatsächlich auch völlig in Ordnung. Einzig Mühe habe ich mit  Hundehaltern, die sich eine ganz besondere Rasse aussuchen, die einen ganz besonderen Namen trägt und der Hund alleine schon dadurch ganz Besonderes leisten muss. Die Anfrage an mich wegen Welpenkurs tönt dann jeweils in etwa so: «Ich bekomme einen Welpen der seltenen Rasse yz, eine sehr arbeitsfreudige Rasse und kerngesund. Ja, ich bin Ersthundehalter, weiss aber genau, dass exact DER Hund DIESER Rasse zu mir passt. Nein, ist noch nicht auf der Welt, wird nächstes Jahr werden. Ich möchte fragen, ob Sie überhaupt Erfahrung mit DIESER Rasse haben. Und ich möchte sehen, wie Sie unterrichten». (Anmerkung: das finde ich natürlich wiederum toll). Ich denke noch kurz darüber nach, ob man als Hundetrainerin alle mehr als 900 Hunderassen in der Hundeschule gesehen haben muss, um als kompetent eingestuft zu werden. Wie absurd ist das denn.
Wir haben die Lektion gehabt, das Ehepaar hat interessiert zugeschaut, Fragen gestellt, unter anderem wieder, ob ich denn überhaupt schon mal so ein seltenes Exemplar in meiner Hundeschule hatte (sic!). Und nein, liebe Leser, es ist KEIN Leopardenhund, auch KEIN seltenes Mischigutschiwaschi.
Dann, einen Tag später; sie haben noch vergessen zu fragen, ob ich eine Hundetrainerin oder einen Hundetrainer kenne, die/der sich speziell auskennt mit der Ausbildung von WELPEN mit besonderen Anforderungen, weil ihr Welpe befähigt werden soll, mit ihnen auf Skitouren und Hochgebirgswanderungen zu kommen. Also Frühförderungsprogramm für Welpi, damit sie ihren Lebensstil ohne Unterbruch aufrechterhalten können. Ich hätte ihnen am liebsten empfohlen, die Hundefrage nochmals zu überdenken.  Stattdessen  habe ich ihnen nahegelegt, sich einen grossen Rucksack zu kaufen, falls der Welpe mal müde werden sollte, Hundeskischuhe, Sonnebrille  und vier Hundeskis. Ganz nach dem Motto: Fit for MY life.

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