Drum prüfe, wer sich "kynologisch bindet"

Ihr kennt das sicher auch: eigentlich wolltet ihr im Internet nur kurz was nachschauen und schwupps… schon ist man mitten im Surfen drin. So ist es mir gerade ergangen. Wie zu jedem Jahresende sitze ich über der Planung und suche mir Seminare raus, die ich im kommenden Jahr gerne besuchen möchte. Gar nicht so einfach, sich in der kynologischen Weiterbildungswelt zurechtzufinden. Alles tönt gut, vieles kommt sehr professionell daher, einiges verspricht mehr, als es bei näherem Hinschauen hält.

Mittlerweile weiss ich natürlich, in welcher Ecke des Weiterbildungsdschungels meine Favoriten zu finden sind. Namen möchte ich hier keine nennen, aber alle sind sehr positiv verstärkend unterwegs und verfügen neben ihrem breiten kynologischen Hintergrund auch über viel fundiertes Fachwissen aus den Bereichen Erwachsenenbildung und Psychologie. Denn ohne Kompetenzen in den genannten Bereichen ist ein/e HundetrainerIn eben HUNDE- Trainerin und nicht Fachfrau in der Ausbildung für Menschen mit Hund.

Und während meine Finger so über die Tasten und Seiten clicken, bleibe ich sehr überrascht an einem Angebot hängen, das Hundetrainer (eben!) und Welpentrainer ( eben!) in etwas mehr als 5 Tagen zur Prüfungsreife führt. Ja, du liest richtig: Da werden Hundetrainer und Welpentrainer in knapp drei Monaten zertifiziert und auf die unbedachten Hunde und deren Menschen losgelassen. Oder umgekehrt.
Schon sehr beängstigend, was in der kynologischen Bildungslandschaft so alles möglich ist. Wo um alles in der Welt erreicht man ein Berufsdiplom in nur 5 Tagen? Möglicherweise in einem Schnellkurs für Hulabula – Massage, angeboten in einem Ferienresort oder einem anderen Wohlfühlausbildungskurs ohne fachspezifische Expertise.
In einem Berufsfeld wie der Hundeausbildung, wo es sogar kantonale Verordnungen gibt, wo eine Ausbildungs - und Weiterbildungspflicht besteht, wo es ein Meldewesen gibt, wo wir AusbildnerInnen uns an konkrete Vorgaben von Kanton und Bund halten müssen, kann es doch nicht sein, dass "HundetrainerInnen" nach nur knapp und höchstens 10 Ausbildungstagen, davon noch einige Tage im Online Learning, auf Menschen und deren meist auch noch sehr jungen Hunde oder gar Welpen losgelassen werden. 

Tragisch ist der Umstand, dass ein/e Neuhundehalter / Neuhundundehalterin keine Ahnung von der Materie hat. Und noch viel tragischer finde ich die Tatsache, dass man als Möchtegernefachperson nach 10 Ausbildungstagen sicher nicht viel Fachkompetenz und Praxiserfahrung vorweisen kann. Auch wenn alle so nett schreiben: «Ich bin seit meiner frühen Kindheit sehr in Hunde vernarrt.» Darüber habe ich auch schon an anderer Stelle berichtet.
Wo bleibt da das Veterinäramt oder das BLV? Wer kontrolliert diese Ausbildungsstätten, die nicht nur den Mensch – Hund – Teams sondern auch unserem Berufsbild einiges an Schaden zufügen? Wieso dauert es so lange, das Berufsbild der Fachperson Kynologie auf einem eidgenössisch anerkannten und hochstehenden Niveau zu vereinheitlichen und zu regeln? Den Beruf der kynologischen Fachperson – mir missfällt der Begriff HundetrainerIn- gibt es in dem Sinn gar nicht. Wie gesagt, unser schweizerischer Föderalismus treibt auch in diesem Bereich Blüten. Jede/-r kocht sein kynologisches Süppchen.
«Eine Ausbildung zum Hundetrainer in 10 Tage. Super, danach mache ich gleich gutes Geld damit», denkt`s und macht eine Hundeschule auf.
Klar trennt sich irgendwann die Spreu vom Weizen. Trotzdem würde ich es sehr begrüssen, wenn die Menschen mit ihren Hunden das erhalten, wovon sie sicher auch ausgehen, wenn sie sich zu einem Kurs anmelden: eine fachlich hochstehende Ausbildung mit kompetenten Fachpersonen, die sowohl kynologisch, psychologisch wie auch andragogisch auf hohem Niveau ausgebildet wurden. Und das schlägt sich dann halt auch in den Ausbildungskosten nieder.
Trotzdem: prüfe ehrlich, wo du dich und deinen Hund «bindest». Folgeschäden nach einem Kurs bei einem «quicki»/r HundetrainerIn können dich neben dem entstandenen Frust bei dir und deinem Hund später ein Vielfaches mehr an Verhaltenstraining kosten. Erlaube mir eine Schlussbemerkung: eine fundierte kynologische Ausbildung dauert im Minimum 2 Jahre. Den Erwachsenenbildner SVEB I (alle Module, nicht nur Modul 1 und 2) nicht eingeschlossen. Das kommt dann noch dazu.

In diesem Sinne, es ist nicht alles Gold was glänzt, oder modern ausgedrückt: das Internet ist geduldig und verspricht alles.

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