Einzellektionen - weshalb?

Einzeltraining oder Einzelcoaching - weshalb?

Zu Beginn kurze Definition: das Einzeltraining findet zwar ohne andere Hunde statt, wie das bei einer Gruppenlektion der Fall ist. Mit "einzel", im Sinne von "alleine" oder sogar "isoliert" von Reizen hat das sehr wenig zu tun. Ich höre immer wieder von Klienten, dass sie lieber in einer Gruppe trainieren, damit ihr Hund lernt, mit "Ablenkung", sprich: mit anderen Hunde umzugehen. Oft sind es Hundehalter, die mit ihrem Hund ein Thema haben, weil dieser mehr an der Aussenwelt interessiert ist als an ihnen. Sie möchten dann in eine Gruppe, nach dem Motto: "den Stier bei den Hörnern packen". Dieses Vorgehen kann ich nicht empfehlen.
Schauen wir doch mal an, was in einer Einzellektion oder einem Einzel - Coaching überhaupt passiert: beteiligt sind ja schon per definitonem 2 Menschen und ein Hund. Von einzel kann also schon mal keine Rede sein. Zudem trainieren wir nicht auf einem Hundeplatz, sondern draussen im Alltag. Reize sind folglich auch vorhanden, auch wenn die Trainingsorte reizärmer oder reizstärker ausgesucht werden.
Kommt nun also ein Mensch -  Hund - Team zur ersten Lektion mit dem Thema: mein Hund ist so hibbelig, will jeden begrüssen, kann nicht ruhig sitzen, fordert dauernd etwas von mir ein.
Nun stelle man sich vor, dass da noch 4-5 andere Teams auf dem Platz sind. Der Mensch hat noch gar nicht gelernt, wie er Ruhe in das eigene Zweiergespann bringen kann. Geschweige denn, unter so grosser Ablenkung. Wir fangen ja auch nicht mit dem Lesen an, bevor wir das Alphabet kennen. In einer Einzellektion muss zuerst geklärt werden, wo das Team steht, wer wen führt, wie klar die Kommunikation ist etc. In diesem Beispiel sollen Mensch und Hund zuerst lernen, wie beide zur Ruhe kommen, dass jede Arbeit aus der Ruhe heraus beginnt und auch wieder dort endet. Wir entschleunigen das Tempo, weniger ist mehr. Hund und Mensch sollen sich zuerst auf das Wesentliche konzentrieren, und das wäre in dem Fall: gemeinsam einen neuen Umgang miteinander zu erfahren und zu lernen, einander den nötigen Respekt entgegenzubringen, zuzuhören, Grenzen zu akzeptieren. Genau, trifft immer für beide zu.
Wir könnten ein anderes, x-beliebiges Thema oder Problem nehmen: mein Hund zieht an der Leine, kommt nicht auf mein Rufen usw. Auch hier macht es doch logischerweise keinen Sinn, "das Pferd von hinten aufzuzäumen" und gleich in einer Gruppe anzufangen. Das bedeutet für alle Beteiligten eine Überforderung, eine Reizüberflutung und einfach nur Stress. Freude und Spass macht das sicherlich kaum.
Ich propagiere für Einzellektionen, bis das Mensch -  Hund - Team eine gemeinsame Basis gefunden hat, die Verständigung gefestigt ist,  der Mensch gelernt hat zu führen und klar zu vermitteln, was er möchte. Dann werden die oben aufgeführten Themen in der Begegnung mit anderen Hunden viel weniger bis kaum mehr ein Thema sein, da der Hund seinem Menschen vertraut, weil dieser selbstsicher im Führen seines Hundes geworden ist.
Natürlich nehmen wir im Verlauf des Trainings auch gezielt mehr Ablenkung dazu, werden auch Assistenzhunde einbezogen, die als kontrollierte Ablenkung fungieren. Beim Erlernen des Autofahrens gehen wir doch auch nicht sofort in den Stadtverkehr, sondern benutzen wenig befahrene Land- und Nebenstrassen. Auch Parkieren beginnen wir nicht mit der kleinsten Parklücke zwischen 2 Autos und sagen: da muss ich durch, weil das für mich schwierig ist.
Nur zur Beruhigung: im Alltag gibt es ausreichend Übungsgelegenheiten, wo Sie Ihren Hund unter Ablenkung abrufen (Spaziergänger, Jogger, Velofahrer, andere Hunde etc.), ihn an anderen Hunden vorbeiführen und in Ruhe in einem Sitz bleib lassen können, bis Sie zum Bsp. die Haustüre abgeschlossen haben, mit einer Bekannten kurz plaudern oder an einer Strasse warten, bis die Ampel auf Grün schaltet. Ich verstehe diesen Satz ehrlich gesagt nicht: mein Hund lernt ja in einer Einzellektion nicht mit Ablenkung umzugehen. Eine Einzellektion ist zwar teurer, dafür aber ein äusserst effizientes und nachhaltiges Training für den Hund und v.a. auch für den Menschen, das im Alltag 1:1 umgesetzt werden kann.

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