Flexleinen und Co.

Zum Thema Flexleinen oder auch Auszugsleinen genannt

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich es sinnvoll finde, den Hund an der Auszugsleine zu führen. Wenn es darum geht, dem Hund Leinenführigkeit zu vermitteln, finde ich Auszugsleinen definitiv ungeeignet. um nicht zu sagen: kontraproduktiv. Auch sonst bin ich kein Fan dieser Dinger.

Bei der Leinenführikgeit gehen wir davon aus, dass unser Hund sich an der lockeren, sprich durchhängenden Leine an unserer Seite bewegt. Der Hund soll sich unserem Tempo anpassen, ruhig und entspannt neben uns gehen oder traben. Vor allem in der Lernphase braucht der Hund Referenzpunkte, die ihm zeigen. wo sein Platz ist und was wir von ihm wollen. Er soll sich nicht in die Leine hängen, hier und dort schnüffeln, markieren oder auf andere Lebewesen zusteuern oder gar entgegenrennen. Am einfachsten bringen wir das unserem Vierbeiner bei, indem wir eine fest definierte Leinenlänge vorgeben. Am geeignetsten erachte ich die 3m Führleine, ohne Haken und nur einem Karabiner, mit dem die Leine am Halsband festgemacht wird. Der Welpe oder Junghund lernt, dass er nach einer gewissen Distanz am Ende der Leine angekommen ist und von uns ein Signal erhält, sich wieder nach rückwarts, sprich zu uns hin zu orientieren. Wir konditionieren den Hund auf das Ende der Leine mit einem Signalwort: Stopp oder Ende oder ähnlichem Die ersten Mal bleiben wir nach dem Signalwort sofort stehen sobald der Hund am Ende der Leine angelangt ist, warten, bis der Hund sich zu uns wendet, loben ihn zu uns hin und gehen weiter. Wichtig ist, dass wir in dieser Lernphase auf keinen Fall dem Zug des Hundes nachgeben, sondern konsequent stehen bleiben. Wir gehen Wendungen und Bogen, variieren im Tempo, gehen auch mal rückwarts und dann wieder vorwärts, damit der Hund seine Aufmerksamkeit auf uns richtet. Im Folgenden werden wir das Signal geben, BEVOR der Hund am Ende der Leine angekommen ist, er wird stoppen und wir loben ihn wieder zu uns hin. Von Vorteil kann in dieser Lernphase auch der Clicker oder ein Markerwort eingesetzt werden, sobald der Hund auf das Signalwort stehen bleibt, sich in unsere Richtung orientiert oder unser Hund neben uns läuft.

Wenn wir nun den Hund an der Flexleine betrachten, haben wir eine gänzlich andere Ausgangslage. Die Flexleine gibt dem Hund keine Referenz für die Leinenlänge. Er lernt sehr schnell, dass er mehr Freiraum bekommt, sobald er sich in die Leine hängt und nach vorne zieht. Beliebt sind die Rollleinen vor allem für kleine Hunde. Die Hunde gehen an gespannter ausgezogener Leine, den Körperschwerpunkt nach vorne verlagert, nicht selten auch hechelnd, weil sie so im Halsband hängen. Und wenn es dem Menschen dann zu bunt wird oder sich ein anderes Mensch-Hund-Gespann nähert, wird auf den Einzugsknopf gedrückt und der kleine Hund wird wie ein Bumerang zu seinem Menschen hingezogen. Fazit: Klein-Hundi spurtet los nach vorne, wird dann wieder zurückgebeamt, schnellt dann wieder nach vorne und zurück etc. Der Hund lernt dabei gar nichts, ausser: ich ziehe mal, bis der Ruck dann nach hinten kommt. Er kann kein Gefühl für eine angebrachte Position neben uns entwickeln. Es gibt einen Jo - Jo - Effekt ohne Ende. Natürlich werden auch bei Hunden über 5kg Flexleinen rege eingesetzt. Ich habe den Verdacht, dass es trotz schmerzenden Armen und Schultern für die Menschen oft einfacher erscheint, dem Hund diesen vermeintlichen Freiraum zu lassen, als sich wirklich mit der Leinenführigkeit zu befassen. Oder sich nicht zutrauen, den Hund an der Schleppleine zu führen, die auch eine definierte Länge hat, wenn man dem Hund keine Freiraum gewähren kann oder darf in gewissen Situationen.

Wenn der Mensch im Training mit dem Anliegen kommt, dass sein Hund an lockerer Leine gehen soll, muss die Flexleine wirklich zu Hause bleiben. Ich empfehle wie obenerwähnt eine 3m Leine, die dem Hund ausreichend Radius zugesteht. Der Hund lernt, dass er zum Sich Lösen mehr Radius erhält und zwar genau in diesem 3m -Raum. Wichtig ist, dass der Hund nicht in die Leine hängt. Und wir verfahren dabei genauso wie oben, indem wir unser Markerwort geben, den Hund aber nicht zu uns hin loben sonder einfach weitergehen, wenn die Leine wieder locker ist und Hundi nicht mehr zieht. Und genauso arbeiten wir mit der 10m Schlepplene. Haben wir den Hund an der Flexleine hängen, ist ein Markerwort hinfällig, da der Hund schon von Anfang an Zug auf die Leine ausübt, um zum Ende der Leinenlängen zu kommen.

Nebenbei finde ich die Flexleinen-Menschen des Öfteren nicht einschätzbar. Zum einen sieht man die Leine kaum auf Distanz und hat den Eindruck, dass der Hund frei daher kommt, zum anderen schiessen die Flexleinen-Hunde unvermittelt auf einem los, weil sie ja genau das gelernt haben: kräftig in die Leine hopsen und die grosse Freiheit wartet. Und nicht zuletzt verheddern sich diese Dinger dann um die Beine der anderen Hunde und deren Menschen, was nicht ganz ungefährlich ist. Im schlimmsten Fall reisst der Hund seinem Menschen den Leinenkasten aus den Händen und spurtet los, das ratternde und polternde Ding hinter sich herziehend und in Panik verfallend, weil er das Gefühl hat, verfolgt zu werden.

Flexleinen sind erfunden worden, um den Menschen von seiner Aufgabe zu erlösen, konsequent an der Leinenführigkeit zu arbeiten. Und wir produzieren Hunde, die vor uns her ziehen und meinen, die Gegend für den Menschen hinter sich abchecken zu müssen. Nicht wirklich ein entspannter Spaziergang für alle Beteiligten.

Bea Koti, 11.05.2013

 

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