Hilfe, mein Hund will jeden begrüssen

"Mein Hund will jeden begrüssen, egal ob 2-oder 4-Beiner. Er ist dann kaum mehr zu halten, hängt sich in die Leine und zerrt wie verrückt."
So oder ähnlich tönen die Aussagen von entnervten Hundehaltern. Und so oder ähnlich schauen die Situationen im Alltag auch aus.
Fangen wir doch mal ganz vorne an: der nette kleine HUnde-Welpe soll alles erhalten, was seine Entwicklung fördert. Er soll ausreichend Erfahrungen mit der Umwelt und natürlich mit all den lieben Hundekollegen machen. Und wie nett ist es doch, wenn er so freundlich und tolpatschig auf die Leute zugeht und diese voller Freude begrüsst. Die finden das ja auch alle ganz süss und betätscheln und knuddeln klein Welpi. Im besten Fall noch ein Gudi obendrauf. Und Welpenschutz geniesst er ja sowieso. Da ist es doch so toll, wenn er mit anderen Hunden spielen und rumtollen darf
Und was lernt unser Youngster dabei? Alles, was sich auf 2 oder 4 Beinen nähert, ist wahnsinnig spannend und macht super Freude. Und die sind ja alle so nett zu mir. Da renne ich doch gleich mal los und hole mir was Feines ab.
Dass hinter ihm noch sein eigener Zweibeiner an der Leine oder zumindest in der Nähe ist, interessiert den vorwitzigen Kleinen nun schon gar nicht mehr. Zumal der 2 Beiner ja auch nichts dagegen unternimmt, zumal der doch eitel Freude ist, wenn der Welpi auf Anerkennung stösst.
Denken wir mal ein paar Monate weiter: unser kleiner Welpi ist nun bereits ein Junghund geworden und findet es immer noch sehr lustig, sein Begrüssungsritual durchzuziehen - im wahrsten Sinne des Wortes. Geht das denn nicht etwas schneller da hinten? Nun mach schon und gib mir mehr Leine, damit ich zu meinem Ziel komme. Im Freilauf ist es dann doch etwas einfacher: kurzer Blick nach vorne, schnell abchecken. wo mein 2 Beiner steckt und nichts wie los nach vorne. Nur: heute finden das längst nicht mehr alle so lustig, wenn ein mittlerweile fast ausgewachsener Hund auf sie oder ihren eigenen Vierbeiner losstürmt, egal wer oder was da hinten ruft oder schreit.
Und spätestens jetzt, wenn die Arme schmerzen und Sturzgefahr droht, oder entnervte andere Hundehalter ihrem Unmut Ausdruck geben, melden sich die Hundebesitzer mit genau diesem Begrüssungsthema in der Hundeschule.
Wieviel Geld, Mühe und Ärger könnte der Hundehalter sich ersparen, würde er seinem kleinen Welpi schon von Anfang an beibringen, dass 2 und 4 Beiner keine Hundemagnete sind, die ihn unwiderstehlich anziehen. Er soll lernen, dass er mal begrüssen darf - und zwar dann, wenn ich es ihm gestatte- dann halt wieder nicht. Vor allem bei sehr begrüssungsfreudigen Rassen ist es um so wichtiger, die Begegnungen sehr zu limitieren. Damit sind auch die Lauf- und Raufspiele mit anderen Hunden gemeint. Ganz fatale Folgen wird es haben, wenn wir den Hund sogar dazu auffordern, zu Menschen oder Hunden hinzurennen, nach dem Motto: geh mal gucken, ob die mit dir spielen wollen.
Ein Hund muss bereits in jungen Jahren lernen, mit Frustration umzugehen. Er soll Frustrationstoleranz entwickeln dürfen, damit er im Leben später mit genau solchen Situationen klarkommt. Was passiert mit einem kleinen Kind, das alles erhält, was sein Herz begehrt? Genau: es wird irgendwann zum Tyrannen mutieren, Dinge einfordern, von denen es denkt, dass sie ihm zustehen und keine Strategien haben, auch mal Frust auszuhalten. Und mit Hunden ist es nicht anderes.
Wenn wir wollen, dass unser Hund uns als seinen Führer akzeptiert und sich auf uns konzentriert, auch in Situationen, wo er am liebsten sofort losstürmen möchte, haben wir im Alltag viel gewonnen. Wir können uns entspannter draussen bewegen, haben einen Hund an unserer Seite, der uns abfragt, ob jetzt gerade Spiel angesagt ist, ob er jemanden begrüssen darf etc. Und wir werden von ihm überhaupt wieder wahrgenommen. Ansonsten sind wir nur der Click an der Leine, welcher den Freilauf ermöglicht.
Wer seinem Welpen bereits beibringt, dass ein 2 Beiner zu ihm kommt, wenn er ruhig sitzen bleibt und er nicht zu seinem Ziel kommt, wenn er drauf losstürmt, hat dem Hundekind etwas wesentliches mitgeben können. Der Hund lernt, seine Impulse zu kontrollieren und nicht auf jeden Reiz zu reagieren. Und das hat sicherlich schon manchen Hunden das Leben gerettet, der zu einem anderen Hund über eine vielbefahrene Strasse rennen wollte.
Auch die Leinenführigkeit hängt damit zusammen. Aber dazu schreibe ich in einem weiteren Beitrag.

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