"Wir belohnen nicht mit Futter"

Ehrlich gesagt, löst diese Aussage in mir mittlerweile nur noch Aerger und Unmut aus.
Weshalb? Weil da offenbar ein Gegenüber so was von nichts verstanden hat. Keine Ahnung von der Lerntheorie, keine Vorstellung von der Vielfalt von Belohnungsmöglichkeiten. Stattdessen: Hund gleich Zerrpiel oder Hund gleich Ball werfen.
Da wird mir als Hundetrainerin unterstellt, dass ich meine Hunde dumm füttere mit Leckerlis und der Kunde das für seinen Vierbeiner auf keinen Fall so möchte.

Schliesslich ist der Mensch der Alpha im Rudel und sein Hund hat sich gefälligst an ihm zu orientieren. Was in mir eine ähnliche Regung wie oben beschrieben auslöst, ist die oberdümmliche Aussage (sorry für den Ausdruck), dass sie lieber in eine Hundeschule gehen, wo man mit Spiel belohnt und nicht mit Futter lockt. Nein, sie wollen ihren Hund nicht bestechen.
Dieser Slogan steht dann bei den besagten Hundeschulen fett auf der ersten Seite: "Wir arbeiten nicht mit Futter". 
Und die unwissenden Menschen haben irgend ein bizzarres Konzept von Bestechung im Kopf,  das durch solche dilettantischen Aussagen noch untermauert wird. Die hinterfragen diese Aussage gar nicht, weil sie womöglich in ihrer eigenen Kindheit erfahren haben, dass Beziehung mit Bestechung zu tun haben muss.
Nicht selten handelt es sich um Ersthundehalter, die sich bei den Fernsehgurus der Hundeerziehung schlau geschaut haben und sehen, dass ein dominantes Auftreten dieser Hundeflüsterer offenbar Wunder wirkt. ( Ich frage mich, weshalb diese Art von Trainer soviel Medienpräsenz erhält. Was läuft da falsch beim Menschen? )
Im Prinzip kann mir das egal sein, die sollen "arbeiten" womit sie wollen. Wäre da nicht ein Mitlebewesen davon betroffen. Leid tut es mir für die Hunde, denen man soviele tolle Belohnungsmöglichkeiten nimmt und sie auf den Ball oder das Boudin konditioniert, respektive anfixt und limitiert und davon ausgeht, dass jeder Hund das Zerren und Spielen ultimativ toll findet und deshalb die ulimative Belohnung für den Hund ist. Oder gar so weit geht, dass der Hund "gehorchen" (auch so ein Kotzwort) muss, weil er oder sie der Rudelführer ist und es in der Natur des Hundes liegt, sich zu "unterwerfen oder "unterzuordnen" ( zwei weitere Kotzwörter)
Und NEIIIN! locken tun DIE dort ganz bestimmt nicht, auf keinen Fall.. Locken tun nur die mit den Gudis.
Ehrlich: schaut doch mal ganz genau hin, was die Spieljunkies auf 4 Beinen tun: sie heften ihren starren Blick auf die Jackentasche und können es kaum erwarten, bis das Objekt ihrer Begierde zum Vorschein kommt. Und ja genau: das ist natürlich was völlig anderes, als ein Hund, der mit seinem Blick an der Guditasche festklebt. Die mit den Gudis locken noch, die mit dem Boudin trainieren schon. Sic!
Und nun der Clou: Wer es noch nicht gemerkt hat. Man kann SOWOHL mit Boudin und Zerrspiel ALS AUCH mit Gudis lOCKEN oder BESTECHEN ( wie die Wir - belohnen - nur - mit - Spiel - Trainer so schön zu sagen pflegen). Da hat der Hund tatsächlich noch nicht wirklich was gelernt, ausser dem begehrten Objekt hinterherzulaufen. Und auch das kann in einem bestimmten Ausbildungsstand zu Beginn von Nutzen sein. Die Lernmethode heisst dann konkret: "Locken". Wir sind uns dem bewusst und setzen dann auch sehr gezielt ein Markerwort ein, bevor das Gudi im Fang verschwindet oder das Spielzeug zum Einsatz kommt.
Eine wirklich intelligente Ausbildung von Mensch und Hund beinhaltet wie erwähnt ein Markerwort / Markersignal wie zum Beispiel einen Clicker und variable Belohnungsmöglichkeiten. Dafür muss sich der Mensch etwas anstrengen, weil nicht jede Belohnung von jedem Hund auch als solche erlebt wird. Merkst du was? Nicht der Mensch bestimmt in erster Linie, was für seinen Hund gefälligst eine Belohnung sein soll, sondern unser vierbeiniger Freund erfährt und entdeckt oder zeigt, was er als Belohung definiert und in ihm ein gutes Gefühl auslöst.
Den Hund auf eine einzige Belohnungsart einzuschränken und zu reduzieren, ist schlicht und ergreifend unwissend und fantasielos. Und selbst, wenn Du einen Hund hast, der für einen Belohungsball oder ein Zerrspielzeug den Handstand macht und sich freut wie Harry, musst du dir überlegen, ob diese Belohnung für das gerade gezeigt Verhalten auch die richtige ist. Ein Beispiel gefällig? Mein Hund darf lernen, auf seiner Decke zu bleiben, um zur Ruhe zu kommen. Würde ich ihn nun nach dem Markerwort oder einem anderen sekundären Verstärker mit wildem Zerrspiel belohnen, hätte das sicher nicht den erwünschte Effekt - also Ruhe und Enstpannung - zur Folge. Umgekehrt kommt dein Wuffi auf den Rückruf wie der Blitz angerannt, sogar noch aus dem Spiel mit seinem Kumpel weg direkt zu dir, ist ein trockenes Leckerli nach dem Markerwort wohl auch nicht gerade das erwartete Highlight. Da wäre jetzt ein Zerrspiel gefragt, oder eine Handvoll Gudi werfen und Suchen lassen, oder ein Rennspiel mit seinem Hund machen, oder ihn wieder zum Spielpartner zurückschicken nach dem Markerwort als Belohnung etc.
Merkst Du, worauf ich raus will? Wer immer noch die Aussage: "Wir arbeiten nicht mit Futter" als Aushängeschild und Lockvogel braucht, ist im Mittelalter der Hundeausbildung stehen geblieben. Sehr leid tut es mir für all die Menschen mit ihren Hunden, die so viele tolle Gelegenheiten verpassen, ihrem Freund auf vier Pfoten eine Freude zu machen. Sie werden nicht lernen eine Belohnung zu wählen, die von ihrem Hund auch als solche erfahren wird.
Und die leider um das Prinzip der Lerntheorie und deren umittelbaren Auswirkungen auf ihren Hund und somit auch um den Aufbau einer harmonischen und vertrauensvollen Beziehung zu ihrem vierbeinigen Freund gebracht werden.

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