"Miine macht nüd"

Dieser Satz löst mittlerweile in mir eine Kaskade von negativen Emotionen aus. Was soll das? Bitte heute nicht, denke ich. Und schon passierts. Wie ein Orakel oder Zauberspruch wirft mir das Ehepaar mit Hund diese drei Worte entgegen: «Mine macht nüd. Sie chöned ihri ruhig loslo».


Was im besten Fall für mich bedeutet, meine drei Hund neben mir zu versammeln und zu warten, bis der «mine macht nüd» Hund mit seinem Menschen im Schlepptau an uns vorbeigezogen ist. Das wäre aber so was wie der «Ideal»fall. Meistens schaut es eher so aus, dass meine Hunde sich bei mir einfinden und der «mine macht nüd» Hund in einem Affenzahn auf uns losprescht. Mal mit dem Menschen noch hinten an der Leine hängend, mal gänzlich ohne was dran. Und IMMER ruft der Mensch beruhigend und beschwichtigend hinterher: «Lönd sie ihri nume, mine macht nüd».
Mir bleiben dann jeweils ein paar Millisekunden und höchstens drei Optionen für eine adäquate Reaktion: meine Hunde auch freigeben, den entgegenkommenden Rüpel umorientieren, sprich eine handvoll Futter entgegenwerfen und hoffen, dass er keinen anaphylaktischen Schock auf meine Gudis macht oder ihn ausbremsen. Letzteres finden die Besitzer jeweils ganz unverschämt von meiner Seite. Zumal ihr Vierbeiner ja nur schnell «Hoi Sägä» möchte.
Was ich gänzlich zum Einfrieren finde, ist die müssige Frage: «Dürfen ihre Hunde nicht spielen?» Doch, die dürfen, wenn die Situation dementsprechend gestaltet ist UND sie auch bereit dazu sind. Von so einem hündischen Ueberfallskommando angegangen zu werden, finden sie jedoch alles andere als prickelnd.
Ich frage mich jedes Mal, was die denn mit «mine macht nüd» meinen. Liegt DER jetzt tot am Boden? Alle Vitalfunktionen abgestellt? Kein Zucken und gar nichts? In diesem Fall und NUR in diesem, ist die Aussage berechtigt. Tot ist tot, da macht keiner mehr was. Da das ja – pro Hund gedacht natürlich -gottseidank nicht der Fall ist, machen die aber leidergottes alles anderes als NÜD. Im Gegenteil: DIE MACHEN GANZ VIEL: die legen sich wie ein Ferrari auf den Boden; die rennen in einem Affenzahn auf uns los; die nähern sich lautstark und mit Gedöse; die preschen schnurgerade in uns rein; die zerren wie die Ochsen an der Leine ihren Menschen hinter sich her; die rempeln meine Hunde an; und im blödesten Fall endet das dann in einem Konflikt.
Nicht selten ruft der Mensch aus 50 Meter Distanz noch seinen, die Situation entspannenden: «mine macht nüd» Satz hinterher. Wenn ich Bussen verteilen könnte, dann würde ich dieses Statement sehr hoch berappen. Dieser eine lapidare Satz legitimiert im Schnitt jeden vierten Hundehalter, seinem Hund Narrenfreiheit zu gewähren, anstatt an der Grunderziehung bei Hundesichtung zu arbeiten.
Was mich gänzlich irritiert ist die Tatsache, dass der Mensch gar nicht auf die Idee kommt, seinen Hund abzuholen. Wie denn auch. Die zweite Aussage dieser «mine macht nüd» Hundehalter ist nicht selten: «ja, aber ihre Hunde sind ja auch frei». Spätestens jetzt muss ich innerlich aufschreien und stark zensurieren, was aus meinem Mund nach aussen dringt. Die Tatsache, dass meine Hunde zwar ohne Leine sind, sich aber an meiner Seite im Sitz befinden oder besser: befunden haben, bevor der Kamikaze unsere Gruppe gesprengt hat, dringt denen nicht ins Bewusstsein. Was den eigenen Hund angeht, nicht nur ein blinder Fleck sondern eine grosse blinde Einöde.
Und ich verstehe leider wie oben dargelegt bis heute nicht, was das bedeutet: «Mine macht nüd». Dass er uns nicht gerade umwirft oder beisst, hoffe ich zumindest. Aber dass er «nüd macht», das geht bei mir nicht runter. Selbst wenn ich auf dem Sofa liege und ausruhe oder der Hund in seinem Körbchen chillt, machen wir beide etwas: uns ausruhen, atmen, träumen, schnarchen, etc. Und DER rennt und macht NUED. Zur Erinnerung an dieser Stelle nochmals das erste Axiom von Paul Watzlawick: "Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren."
In diesem Sinne: verschont mich bitte mit dem MMN – Satz und tut was ihr tun müsstet: zeigt eurem Hund, wie er sich AUCH noch verhalten könnte. Falls Du jetzt keinen Plan hast, empfehle ich dir sehr, fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Umwelt wird’s euch danken.

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