Was hat ein Hüftgelenk mit dem Einzug eines Welpen zu tun?

Nun ist es also vollbracht. Was von aussen nicht einsichtig ist, sich seit einigen Tagen tief in meinem rechten  Oberschenkel befindet, ist sich am Integrieren. Oder besser: ich integriere meinen neuen Mitbewohner in meinen Lebensalltag. Die Metapher passt ganz gut, weil wir schon am Freitag Nachmittag postoperativ die ersten Schritte zusammen gewagt haben. Auf 4 Standbeinen sozusagen, noch etwas verhalten und mit der nötigen Vorsicht, aber frohen Mutes und offen für das neu zu adaptierende gemeinsame Leben.

Der Chirurgie sei Dank, trägt das Teil kein Fell, sondern besteht aus einem sehr halt- und belastbaren Material, das nun für die nächsten 20 Lebensjahre an oder besser: in meiner rechten Seite versenkt ist. Trotzdem gibt es gewisse Parallelen zu einem neuen kleinen felligen Familienmitglied auf vier Beinen: Genau wie bei einem Welpen, habe ich mich innerlich sehr lange darauf vorbereitet. Ueberlegt, wann denn genau der beste Zeitpunkt ist für den Einzug, ob ich  für einige Zeit frei machen kann, wie viele Treppen zu bewältigen sind im Haus, wie lange mich der neue Mitbewohner begleiten wird, welche räumlichen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen im Vorfeld. Im Weiteren natürlich, welches «Modell» überhaupt in Frage kommt. Genauso wie es nicht DIE Hunderasse gibt, gibt es nicht DIE Hüftgelenksprothese. Und dann natürlich die Frage der passenden Hundeschule oder eben die Wahl des Chirurgen. Und genauso wie es bei den Hundetrainern unterschiedliche Lernmethoden gibt, gibt es auch bei den Chirurgen unterschiedliche Operationsmethoden. Und genauso wie man es hoffentlich auch bei der Wahl der richtigen Hundeschule macht, habe ich zuerst ein Informationsgespräch vereinbart. Man sagt dem Datensammeln, um irgendwann zu einer persönlichen inneren Haltung zu gelangen um irgendwann zu einem persönlichen Entschluss zu kommen und um DANN den Rubikon zu überschreiten, um am anderen Ufer seinen Welpen oder eben in meinem Fall mein Hüftgelenk in Empfang zu nehmen.
Wenn du jetzt sagst, der Vergleich hinke im bildlichen Sinn und sei sehr an den Haaren, respektive am Fell herangezogen, magst du ja vielleicht sogar Recht haben. Und doch geht es im Leben immer wieder darum, Entscheidungen zu treffen; mal weiterreichende, mal weniger relevante. Und wir durchleben immer denselben 7 stufigen Entscheidungsprozess: Problemformulierung ( ich möchte einen Hund, was nun? ) - Informationsbeschaffung ( welcher Hund soll`s denn sein oder: passt ein Hund in meinen Alltag?) – Alternativensuche ( gibt es meistens dann nicht mehr; wenn die Entscheidung pro Hund gefallen ist, zieht ja in den meisten Fällen keine Katze ein) – Bewertung ( wie verändert sich mein Leben mit Hund, was werde ich durch das Zusammenleben mit einem Vierbeiner gewinnen?) – Entscheidung ( die Zucht oder das entsprechende Tierheim ist ausgewählt und das Einzugsdatum des neuen Familienmitgliedes steht fest) – Handlung ( der Hund ist eingezogen) – Bewertung ( wie verändert sich mein Leben / Zusammenleben mit meinem Hund). Wenn ich diese 7 Schritte mit meiner neuen Hüfte durchspiele, tönt das sehr ähnlich, das erspare ich jetzt aber dem geneigten Leser, der geneigten Leserin. Ich höre Stimmen, die rufen: ja, aber ein Hüftgelenksersatz wird aus einer inneren Not heraus implantiert, respektive hängt vom Grad des Leidens ab. Das stimmt so natürlich. Und trotzdem resultieren Entscheidungen ja meistens nicht aus einem inneren Zustand der Fülle, sondern aus einem kleinen Manko raus oder sagen wir, aus einem inneren Bedürfnis oder Antrieb, die aktuelle (Lebens-)situation zu verändern. Und da der Mensch bekanntlich immer nach Höherem strebt, oder naturgegeben dazu tendiert, seinen Ist- Zustand zu optimieren, sind wir ziemlich parallel unterwegs, was die Anschaffung eines Hundes oder die Implementierung eines künstlichen Hüftgelenkes angeht. Und noch was ist sehr ähnlich wie beim Einzug eines Welpen: die ersten Tage beschränken sich vorallem auf den häuslichen Bereich und den Garten, die Runden draussen sind klein und die Aufenthaltsdauer im Freien noch relativ kurz. Die Autofahrten wenn möglich sehr angepasst und bei den Stufen ist eine Trag- oder Stützhilfe noch erforderlich. Und wie sehnen wir uns doch in diesen ersten Wochen die Zeit herbei, wenn wir mit unserem Hund endlich durch die Wiesen und Wälder streifen können. Also: wer sagt, dass ein Hüftgelenk nichts mit dem Einzug eines Welpen zu tun hat, darf seine Meinung getrost revidieren. Und noch was lerne ich gerade: Ruhe bringt Veränderung im Innen, die Welt verlangsamt sich um mich rum ; meine Ungeduld ob der Einschränkung wechselt mit Phasen der Zufriedenheit, weil ich einfach mal gar nichts muss. Auch das passiert einem, wenn so ein kleiner Racker zu Hause eingezogen ist.  Der Racker und meine Hüfte bestimmen in den nächsten Wochen meinen Bewegungsradius. Bin gespannt, wo die Reise mich hinführen wird.

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