... und alle schauen zu

Eher zufällig bin ich heute auf DIE TV Sendung gestossen, in der ein Hundeguru einen kleinen zappelnden Hund über einen Asphaltboden zieht. Nein, nicht in einem Wägeli, sondern gänzlich ohne rollenden Untersatz wird das arme Tier an der Leine von links nach rechts über die Bildfläche gezerrt. Dabei erklärt der Guru, dass es darum geht, das Nervensystem des Hundes zu erreichen. He? Denke ich, das Schmerzzentrum oder was? Und schon kann ich mich nicht mehr wegzappen, sondern schau mir den Rest dieser Tragödie auch noch an.

Die Hundebesitzerin steht blöd in der Gegend rum, nickt zustimmend  und kommt gar nicht auf die Idee, ihren Hund aus dieser misslichen Lage zu befreien. Dem kleinen Hund wirds langsam eng um den Hals. Er hechelt und versucht verzweifelt, ausreichend Sauerstoff in seine Lungen zu bekommen. Die Hundebesitzerin tut gar nichts, ausser diesem Treiben zuzuschauen. Fehlt nur noch, dass sie in die Hände klatscht.
Der Vorspann war in etwa so: kleiner verzweifelter Hund beisst bei jeder Annäherung durch einen Zweibeiner hektisch um sich. Auch andere Hunde mag er nicht. Die Besitzerin berichtet mit Tränen in den Augen, wie niedlich ihr kleines Hündchen doch am Anfang war. Das Kamerateam zoomt auf Fotobilder in goldigen Rahmen an weissen Wohnzimmerwänden; Sujet: kleiner Hund in diversen Kleidern, mit Kapuze, mit Aermelchen etc. Die Dame zerquetsch wieder ein paar Tränchen und hinterfragt sich sehr, weshalb nur aus dem kleinen Engel ein Bengel geworden ist. Ja, ich frage mich gerade auch, wie bekloppt denn ein Mensch sein kann. Wie kann man nur auf die Idee kommen, seinen Hund in solche Kinderkleider zu stecken? Der arme Kleine war sicher auch noch parfümiert und manikürt. Was mich aber echt entsetzt ist die Tatsache, dass der Guru sein Augenmerk auf den kleinen Hund richtet, anstatt sich mal die neurotische Besitzerin genauer anzuschauen. Euphorisch erklärt er zum wiederholten Mal, wie sinnvoll es ist, besagte Guru-Leine ohne Stopp hinter die kleinen Ohren des armen Hundes zu platzieren. Nur so könne Er das Gehirn des Hundes zielgerichtet ansteuern. ER sagt ER tut. Der kleine legt sich wie erwartet flundermässig und fast paralisiert auf den Boden. Sein Gehirn besteht nur noch aus Amygdala. Guru ist kurz erstaunt, weil bei IHM ja jeder Hund gehorcht. ER zieht ein paarmal heftig an der Leine, da tut sich nichts. Schliesslich zieht er den armen Hund wie einen Mopp hinter sich her. Und wir wären bei der Einleitung (siehe oben) angekommen. Selten habe ich soviel Angst in den Augen eines Hundes gesehen. Wieso stoppt das niemand? Weshalb um alles in der Welt geht da keine Tierschutzorganisation auf die Barrikaden? Weshalb hat so ein Grobian soviele AnhängerInnen? Zweibeinige natürlich. Wieso bekommt DER nicht endlich Fernsehverbot? Ich bin manchmal - nein, stimmt gar nicht - ich bin oft sehr betroffen, was der Mensch einem ihm nahestehenden Lebewesen antut oder antun lässt. Und tatenlos zuschaut. Ich bin sicher, dass der arme kleine Hund in diesen Minuten die letzte Hoffnung aufgegeben und das letzte Fünkchen Vertrauen in seinen Menschen verloren hat. Es tut mir so leid, wenn ich mir vorstelle, wie unendlich einsam und ausgeliefert sich so ein malträtiertes Wesen fühlen muss. Keiner stellt die Frage, wie es denn nur soweit hat kommen können, dass dieses Hündchen sich so vehement gegen jeden wehren muss, der ihm zu nahe tritt. Das Hündchen wird abgehandelt wie ein Schwerverbrecher und reisserische Nahaufnahmen seines gefletschten kleinen Gebisses lassen jeden Unkundigen innerlich erschauern. Wo ist unsere Empathie geblieben, unsere Fähigkeit mitzuleiden, wenn ein Lebewesen so gequält wird? Und weshalb legt niemand IHM eine Leine um seinen Hals und zieht IHN von der Bildfläche und somit hoffentlich auch  aus unserem Bewusstsein?

 zurück zu blog

  • Erstellt am .
Standort Dorf und Korrespondenzadresse
hund-individuell   Bea Koti   Strehlgasse 2   8458 Dorf
Telefon: 052 202 83 59   Handy: 078 794 03 60   E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Standort Winterthur
Unsere Kurse finden – wenn nicht anders ausgemacht – auf dem Eschenberg (Eschenbergstrasse 1) in 8400 Winterthur statt.
Zum Routenplaner