Pubertät – ganz schön viel los da oben

Erinnerst du dich noch, wie es war, als die Hormone bei dir verrückt gespielt haben? «Himmelhochjauchzend» und «Zutodebetrübt» haben sich im Stundentakt abgewechselt, sozusagen die Klinke in die Hand gegeben. Was haben wir unser Umfeld genervt und entzückt, je nach dem, welche Hormone gerade in unserem Gehirn aktiv waren. Verlieben und entlieben fand fast wöchentlich statt und Pickel gehörten zum Pubertätslook dazu. Ich habe einige Szenen vor Augen, wo die Toleranz meines Umfeldes auf der Kippe stand und andere, wo der Rubikon diesbezüglich überschritten war und meine Experimentierfreudigkeit einen elterlichen Dämpfer erhalten hat. Auch heftige Gefühlsausbrüche beeinflussten nicht nur meine emotionale Befindlichkeit.


Neurobiologisch gesehen schaut das Innenleben eines Hundegehirns dem menschlichen sehr ähnlich und funktioniert auch dementsprechend identisch, was die Pubertät, respektive die Umbauprozesse im Gehirn betrifft. Das Positive vorneweg: wenn die Sturm- und Drangphase abgeschlossen ist, verfügt unser Junghund über einen Präfrontalen Kortex, der hoffentlich eine wahre Freude ist. Aber eben erst DANACH. Und natürlich vorausgesetzt, bei entsprechender wohlwollender, begrenzender und strukturierender Führung und Begleitung. Der genannte Hirnbereich ist unter anderem zuständig für die Selbstbeherrschung. Soviel zum elterlichen:" nimm di bitte chli zämä"! Uebrigens muss auch ein junger Mensch in etwa 25 Jahr alt werden, bis diese Hirnregion zu Hochleistungen auffahren kann. Wer kennt sie nicht, die Risikobereitschaft junger Erwachsener? Wieso vom 3m Brett springen, wenn das Schwimmbad auch einen 10m Turm zu bieten hat? Dazu kommt, dass das dopaminerge System das Zepter in die Hand genommen hat. Dopamin ist DIE Selbstbelohnungsdroge Nummer 1 und veranlasst auch unsere Vierbeiner dazu, sich ständig einen Belohnungskick zu holen. Was für den jeweiligen Hund eine Belohnung ist, hängt unter anderem auch vom Typ und der Rasse ab. Sehr ungünstig in dieser Zeit sind zum Beispiel exzessive Ballhinterherhetzgeschichten, weil der junge Hund beim Hetzen immer wieder Dopamin ausschüttet. Das fühlt sich dann für ihn so richtig gut an, schreit nach mehr und schafft dadurch in einem sich umbauenden Gehirn Verhaltensautobahnen, die fast nicht mehr umkehrbar sind. Was sich in der Praxis dann so äussern kann, dass der Hund auch im erwachsenen Zustand alles hetzt, was sich bewegt, weil er gar nicht mehr anders kann. Dauerstresse ist vorprogrammiert und zwar bei allen Beteiligten. Deshalb erwäge mit Vernunft, was dein Pubertier auch im erwachsenen Zustand an Verhalten zeigen soll oder eben nicht.
Eingangs habe ich die Gefühlsschwankungen erwähnt. Die Amygdala als Gefühlsfabrik lässt Pubertiere und Pubermenschen Achterbahn fahren. Rauf und runter, mal schneller mal langsamer, aber immer mit einem entsprechenden Gefühl im Bauch. Die Angst tritt aufs Bremspedal und sorgt dafür, dass die erhöhte Risikobereitschaft nicht zum Selbstläufer wird. Einerseits geht es darum, die Welt zu erobern, andererseits, in dieser Welt zu überleben. Hinzu kommt, dass das Stresssystem sehr schnell auf Alarmbereitschaft ist, weil auch die Nebennieren die Produktion von Stresshormonen angekurbelt haben. Last but not least: wie war das nochmals mit den Geschlechtshormonen? Der sanfte Welpi wird zum Machorüden und unser Welpinchen zum Sensibelchen.
Und was ist denn nun unsere Rolle in diesem Strudel der Gefühle, Grössenideen, Angstphasen, Impulsdurchbrüchen? Wir sind der Fels in der Brandung, wir geben unserem Hund die Orientierung und bieten Leitplanken, an denen er sich entlanghangeln und auch mal stossen soll. Wie war das mit unseren Eltern? Sie haben uns Grenzen gesetzt und einen klaren Rahmen definiert, der uns im ganzen Gefühlswirrwarr Sicherheit gegeben hat. Bei unseren Hunden ist es sehr ähnlich. Ich gehe davon aus, dass wir es bis zur Pubertät geschafft haben, eine sichere Bindung und tragende Beziehung zu unserem Youngster aufzubauen, denn dies ist eine Voraussetzung, um gemeinsam sicher durch die stürmische See der Pubertät zu segeln. Wir bauen nicht viel Neues oben drauf, sondern bleiben beharrlich an dem dran und kultivieren, was wir bis anhin zusammen erarbeitet haben. Wir lassen auch mal 5 gerade sein, ohne den jungen Hund im Regen stehen zu lassen. Ein pubertierendes Wesen sucht Grenzen und möchte sein Gegenüber auch als solches wahrnehmen. Mit viel Freiheit kann ein Puberwesen gar nicht gut umgehen, egal welcher Rasse oder Spezie es angehört. Es ist unsere Pflicht, in der Verantwortung zu bleiben und unserem oft anstrengenden Junghund die Freundschaft nicht zu kündigen. Ich empfehle eine Mischung aus Konsequenz, Nachsicht, Voraussicht, Wohlwollen, Halt und Orientierung und einem Herzen voller Liebe und Wertschätzung. Ich verspreche dir, es lohnt sich.

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