Von Superschlachtrufen, Rückrufburnern und Würstliregen

In diesem Beitrag begeben wir uns auf die Spuren des Superschlachtrufes und Co. Rückruf ist ja bekanntlich nicht mehr einfach nur Rückruf. Da gibt es zahlreiche Abstufungen in der Umsetzung respektive in der Durchsetzung. Eine kleine Kostprobe für den Laien: einfacher Rückruf, doppelter Rückruf, Schlachtruf, Superrückuf, Burnerrückruf, bis hin zum «lalalala» - Rückruf. Damit der Hund ja nicht vergisst, dass er zu seinem Menschen laufen soll, an all den verlockenden Dingen und Gerüchen vorbei, auf direktem Weg.

«Lalalalala» erinnert den Hund bei jedem Pfotentritt, dass er noch auf Kurs ist und gefälligst dort bleiben soll. Ich frage mich dann öfters, ob unsere Hunde auf eine beginnende Demenz vorbereitet werden? Lalalalalala …lalalalala….lalalalala. Meine Hunde würden mich fragend anschauen, nach dem Motto: heute ist es aber doch gar nicht sooo heiss? Was ist mit meinem Menschen los?
Ja, ich bin auch der Meinung, dass der Rückruf das wichtigste Signal überhaupt ist. Es gewährt dem Hund Freiheiten, die er sonst nicht geniessen kann, also einfach mal ohne Leine unterwegs zu sein. Zudem kann ein gut verankerter Rückruf das Leben deines Hundes retten, wenn er gerade in Richtung Strasse rennt. In einem deutschen Bundesland ist eine Rückrufprüfung Voraussetzung, um von der Leinenpflicht befreit zu werden. Der Hund, meine ich. Sowas würde ich mir wünschen!
Ich bin NICHT der Meinung, dass das Aufbauen eines sicheren Rückrufsignales schwierig bis unmöglich ist, im Gegenteil. Obwohl in der freien Wildbahn die wenigsten Hunde auf das Rückrufsignal zu ihrem Menschen laufen, wenn es noch was Spannenderes zu sehen gibt, liegt es weder am Rückruf noch am Hund, sondern ganz alleine am Menschen und der Umsetzung.
In der Welpengruppe lernt der Mensch, «ypieypie» zu rufen in den höchsten Tönen, wenn der Welpi auf ihn zurennt. Das ist ja ganz nett, hat aber mit dem Aufbau eines Rückrufsignales herzlich wenig zu tun. Der Welpe kommt sowieso, weil er es gänzlich unmöglich findet, wenn «sein Nabel der Welt» sich von ihm entfernt. Da speeded er förmlich in die offenen Arme seines Menschen. «Wow, cool, mein Welpi kann schon Rückruf!» Denkt der stolze Mensch. Prima, HIER, ZUMIR; CHUM, etc. das sind Wörter, die der Welpi ja genetisch bedingt schon versteht. Einen Aufbau brauchts dafür nicht, was in der obigen Situation zu beweisen war. Dann geht der Mensch nach Hause, sein Welpi macht grad was anderes oder rennt mal in die entgegengesetzte Richtung, was tut der Mensch? Genau, wie in der Welpi gelernt, ruft er entweder ypieypie oder HIER oder CHUMM. Im besten Fall hats geklappt, weil der Welpi neugierig ist. Im blöderen Fall zuckt er nicht mit der Wimper und lernt: CHUMM, HIER, etc. bedeutet, schnüffeln, wegrennen, was anderes tun etc. Und, dass sein Mensch verdammt langsam ist.
Der Mensch verfügt über sehr starke Konditionierungen, was die Wortsemantik betrifft. Wenn er HIERHER ruft, entsteht sofort ein Bild, dass etwas – in diesem Fall der Hund – sich in seine Richtung bewegen soll. Oder wenn er FUSS sagt, hat der Mensch ein inneres Bild – in diesem Fall wieder der Hund -, dass dieser sich sofort und unmittelbar an seine -meist linke - Seite wirft. Und voilà: schon sind wir bei den Fehlverknüpfungen gelandet. Wie oft sagst du denn FUSS, wenn sich dein junger Hund nach vorne bewegt, also weg von deinem Bein? Und wunderst dich, weshalb er FUSS nicht versteht und immer öfters an der Leine zieht?
Weshalb Fehlvernüpfung? Der Hund lernt ein neues Signal durch Verknüpfung, im Fachbegriff Konditionierung. Das bedeutet schlicht und einfach: er macht was und sein Mensch sagt ein Wort dazu. Wenn das häufiger stattfindet, kombiniert der Hund, dass sein Handeln so heisst. Und wenn dann auch noch eine - ungewollte - Belohnung folgt, ist die Sache geritzt. sprich konditioniert. Eine höhere Stufe des Lernens wäre dann das operante Konditionieren, aber das lasse ich an dieser Stelle weg. Rufst du nun deinen Welpen öfters, wenn er von dir wegläuft mit deinem Rückrufwort, wird er lernen, dass HIER bedeutet, sich von dir wegzubewegen. Ist ja logisch: der Hund zeigt ein Verhalten, der Mensch benennt das Verhalten. Oder du sagst eben öfters FUSS, wenn der Welpi nach vorne zieht. Wieder dasselbe Spiel: er lernt, nach vorne gehen heisst FUSS. Die Handlungsketten mit Zurückziehen an der Leine sprengt an dieser Stelle den Rahmen, wäre aber einen weiteren Blogbeitrag wert.
Zur Veranschaulichung ein weiteres Beispiel: der Welpi hat grad was Spannendes am Wegrand entdeckt und geht mal kurz schnüffeln, was macht der Mensch? Genau: HIER HIER . Im besten Fall hat er Glück und der Welpi kommt sowieso gerade, im blödsten Fall denkt der Welpi, das was er tut, heisst so oder er lernt, dass sein Mensch zwar Töne von sich gibt, die sich in der Lautstärke steigern, mit ihm aber herzlich wenig zu tun haben.
Ich raufe mir die Haare und frage mich immer wieder, was denn daran so schwer zu verstehen ist. Für den Menschen, nicht für den Hund. Es ist aus meiner Sicht die einfachste Sache der Welt, einem Welpen beizubringen, dass auf mich zurennen, HIER oder Doppelpfiff oder was auch immer heisst. Was braucht es dazu? Viel Selbstdisziplin des Menschen. Im weiteren viel Selbstdisziplin des Menschen und dann viel Selbstdisziplin des Menschen. Und die Bereitschaft zu lernen und zu beobachten, welche Stufe an Ablenkung man dazu nehmen kann, um auf Nummer sicher zu gehen. Auf meine Frage: was ist denn Dein Rückrufsignal? Tönt es in etwa so: «oh ähm, also, Chumm do hi und wenn er gerade nicht kommt, rufe ich ZUMIR oder HIER. Letzthin habe ich mal gepfiffen, eine Bekannte hat mir eine Pfeife empfohlen, da ist er superschnell zu mir gerannt. Oder ich sags dann ganz laut».
Ich lasse das jeweils vorerst so stehen, wir sind unterwegs, der Welpi gerade in seiner Schnüffelwelt, da ruft es neben mir: Chum sofort do hi (keine Reaktion); HIIIIIIER (keine Reaktion, ich warte); jetzt aber sofort ZUMIR (kurzes Zucken im Welpenkörper, weiterschnüffeln) und dann… ein schriller Pfiff durchbricht die Stille (ich zucke innerlich zusammen) und der Welpi kommt angetrabt.
Was lernt der Mensch? Wenn ich pfeife kommt er. Was lernt der Welpi? Eine Abfolge von Hörzeichen mit einem kleinen Ueberraschungseffekt am Schluss. Da gehe ich doch mal gucken.
Das Fatale: Der Mensch geht nach Hause und pfeift von nun an fröhlich vor sich hin. Der Welpi kommt 2, 3 Mal, wenn der Mensch Glück hat, bringt er es auf ein paar Wiederholungen mehr, dann ist Aus die Maus und die Pfeife im wahrsten Sinne des Worte vergeben und reif für die Mülltonne. Aber halt. Stopp: wir verzweifeln nicht, denn: nun kommt der Superschlachtruf zum Einsatz. Völlig neu aufgebaut, ganz frisch, nur in total reizarmer Umgebung und nur konditioniert. Reine Verknüpfung, wir geben dem Superdingsdarufblablalalal immer wieder Energie. Aufladen ist das Zauberwort. Und was passiert? Da ist ein anderer Hund, der Junghund rennt hin und was macht der Mensch? Erraten: yippiiebrrrbrrrjuhei! Und der Junghund? Guckt kurz rum und weg ist er.
Versteht mich richtig. Auch ich habe einen Superjoker in der Tasche. Wie oft ich den schon gebraucht habe? 2-3x im Jahr, wenn überhaupt. Ansonsten habe ich meinen Doppelpfiff, den ich immer wieder «auflade», seit Welpenalter, jeden Tag.
Gerne unterstütze ich dich dabei, einen Rückruf sicher aufzubauen. Selbstbeherrschung an der «Pfeife» und richtiges Einschätzen des Ausbildungsstandes deines Hundes sowie der jeweiligen Ablenkung, richtiges Timing und ein fundiertes Wissen über das Lernen und Verknüpfen sind Grundlagen für einen erfolgreichen und sicheren Rückruf. Ruf doch einfach an für einen Termin.

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