Mayday... Mayday...Leine an Stammhirn ...Leine an Stammhirn

Mein «Aha» – Erlebnis von heute ist die Aussage mit Demonstration eines Fernsehgurus für Hundeerziehung: «Wenn ich die Leine hier hinter den Ohren des Hundes anlege und zuziehe, kommuniziere ich direkt mit dem Grosshirn des Hundes und spreche dadurch direkt seinen Verstand an». Gesagt – getan und der Hund schaut panisch in die Kamera. Er KOMMUNIZIERT. Und zwar aus Angst und Panik. Könnte er denn, würde er flüchten oder sich gegen den Schmerzverursacher wenden.


Der Hundeprofi lächelt selbstbewusst und selbstgefällig vom Bildschirm ins Wohnzimmer, siegessichere Pose, mit dem nun erstarrten Hund an der Leine. Seinen Verstand - Grosshirn- hat er offenbar ausgeschaltet, von Mitgefühl für ein sensibles Mitlebewesen gar nicht zu reden. Umgeben von applaudierenden, bewundernden und strahlenden Menschen, die wohl auch alle Hunde ihr eigen nennen. Und die mit grosser Wahrscheinlichkeit mit so einer Leine ohne Zugstopp nach Hause gehen (gibt mit Sicherheit auch einen Shop in dem grossen Hundeguru- Truck) um bei der nächstbesten Gelegenheit das Gesehene in die Tat umzusetzen, sprich: seinen Hund zu würgen.
Da staunt der Laie, und der Fachfrau bleibt der Mund offenstehen. Soweit ich mich aus meiner Anatomieausbildung erinnern kann, liegt an besagter Stelle hinter den Ohren des Hundes UND des Menschen eine sehr empfindliche neurologische Schaltzentrale, die Medulla Oblangata, zu Deutsch: Verlängertes Rückenmark und steht in direktem Kontakt mit demselben. In der Medulla Oblangata werden überlebensnotwendige Funktionen reguliert, wie die Atmung, der Blutkreislauf, der Schluckreflex, das Brechzentrum etc. Auch wichtige Hirnnerven laufen dort zusammen.
Von wegen: Kommunikation mit Grosshirn. Was macht Ihr Grosshirn, wenn Ihnen jemand einen Strick um den Hals legt und zuzieht? Es klinkt sich aus und überlässt den weiter unten liegenden Arealen den Vortritt. Ihr ganzes System gerät in Panik. Nun geht es um das nackte Ueberleben. Flucht, Erstarren oder Kampf! Letzteres unmöglich, da sich die Schlinge zuzieht, wenn Sie sich bewegen. Flucht? Wohin denn? Auch hier: ersticken durch Strangulieren. Was bleibt, ist Erstarren. Erstarren in Angst und Panik.
Ich schreibe das aus aktuellem Anlass, habe ich doch gestern in der Fussgängerzone einen Menschen mit Hund beobachtet, der wohl die Sendung auch geschaut hat. Der Mensch natürlich. Einem Hund würde so eine Foltermassnahme nie einfallen. Auf alle Fälle ging der Hund in sehr hoher Erregungslage mehr hochhüpfend als geführt neben seinem Menschen her. Immer wieder die Flucht nach vorne ergreifend, was natürlich sofort durch die Würgemassnahme unterbunden wurde. Selten habe ich so einen angespannten Hund gesehen. Und selten so einen selbstgefälligen Menschen.
Ich frage mich, weshalb das Grosshirn der Menschen aussetzt, wenn Hundegurus im Fernsehen ihre Weisheiten verbreiten. Was bei mir aktiviert wird, liegt ganz unten, kurz vor dem Uebergang zum Rückenmark. Sie erinnern sich? DAS BRECHZENTRUM.

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