die "unkomplizierte" Hundeausbildung im Kanton ZH

Heute haben wir HundetrainerInnen ein Schreiben vom «Vetamt» erhalten, dass der Regierungsrat nun seine Vorlage zum neuen Hunde- resp Ausbildungsgesetz an den Kantonsrat eingereicht hat. «Unkomplizierte neue Regelung des Hundegesetzes» der Titel der E-Mail. 


Ich frage mich gerade, was an dieser neuen Regelung: 6h Praxis und 2h Theorie unkompliziert sein soll. Möglicherweise für die Verwaltung, sicher nicht für mich als HundetrainerIn. Ich nehme bewusst den Singular, weil ich ja nur für mich selber sprechen kann.
Vor meinem geistigen Auge taucht Fragezeichen um Fragezeichen auf. Und Erinnerungen werden wach an die Zeiten des obligatorischen Sachkundenachweises, kurz SKN genannt. 4 Lektionen Praxis. Angefangen, um gleich wieder aufzuhören. Um es mal salopp auszudrücken: Hunz und Kunz in einer Gruppe bunt zusammengewürfelt. Total unterschiedliche Ausgangslagen und Bedürfnisse.
Ehrlich, was lernt man nachhaltig in 4 Lektionen? Da hat man gerade mal eine kleine Ahnung davon, wo der gemeinsame Weg hinführen kann, und schwupps die wupp ist es auch schon wieder vorbei. Oder jetzt neu in diesen 6h? Und in einer bunt gemischten Gruppe? ErsthundehalterInnen, erfahrene HundehalterInnen, Junghunde, ältere Hunde, Hunde mit besonderen Bedürfnissen, Menschen mit speziellen Anliegen, Teams mit unterschiedlichsten Themen und Voraussetzungen. Menschen und Hunde mit sehr differenten Motivationslagen und Standpunkten. Was soll das denn? Aus meiner Sicht alles andere als unkompliziert. Nehmen wir als Beispiel ein Stadttraining, das sicher Inhalt dieser 6h sein wird: «wie verhalte ich mich mit meinem Hund im öffentlichen Raum». Wunderbar, nur: was ist, wenn der junge oder neue Hund noch gar nicht an der Leine locker gehen kann? Oder zuviele Reize nicht aushält? Oder der Mensch einfach noch nicht über die nötigen Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügt, um seinen Hund sicher zu führen?
Wir alle, die Hunde selber ausgebildet haben, wissen, wie viel Zeit und Wissen nötig ist, um aus einem Hund einen kompatiblen, sozialverträglichen und angenehmen Begleiter auf 4 Pfoten zu machen. Und wir alle wissen, dass der Mensch mindestens soviel Zeit braucht, um sich selber zu befähigen, seinen Hund gut auszubilden. Wir reden da nicht von 6h Ausbildung. Bis ein Ersthundehalterteam einigermassen gut aufgestellt ist, ziehen locker 1 -2!! Jahre Ausbildung mit regelmässigem Besuch einer Hundeschule und viel viel Ueben im Alltag ins Land.
Natürlich können all die Hundehalter nach 6h Kurs danach zusätzlich in eine Hundeschule gehen und sich Wissen und Kompetenzen erwerben im Zusammenleben mit ihrem Vierbeiner. Das ist nicht die Frage. Sondern: wie bringe ich Mensch – Hund – Teams mit den oben aufgeführten Voraussetzungen in ein und derselben Gruppe unter? Und wie soll ein Team  in einer so heterogenen Gruppe optimal und zielführend lernen, wenn jede/r einen anderen Ausbildungsstand hat? Klar, es gibt natürlich die Möglichkeit, all das aussen vor zu lassen und mit an den Leinen zerrenden, da überforderten Hunden UND Menschen die Umwelt zu begehen, ohne Rücksicht auf Verluste. Mit Verlusten meine ich: eine dem Hund und Mensch angepasste , förderliche, individuelle, sinnvolle und auch nachhaltige Ausbildung. Denn diese kann in diesen 6h ganz sicher nicht gewährleistet werden.

Meine Empfehlung für ein neues Hundegesetzt schaut so aus: Welpen - und Junghundekurs für Ersthundehalter obligatorisch, egal was sie für einen Hund übernehmen. Erziehungskurs für Ersthundehalter, sofern sie einen Hund im Alter von 12 Monaten aufwärts übernehmen, egal welcher Grösse.

Wenn wir als TrainerInnen die Hunde mit 6 Monaten zum ersten Mal sehen, ist schon sehr viel Wasser den Rhein runter geflossen. Die Hunde stehen kurz vor oder sind bereits in der Pubertät. Alles, was bis zu diesem Zeitpunkt falsch oder gar nicht aufgebaut wurde (Rückruf, Leinenführigkeit, Hundebegegnungen etc.), wird spätestens jetzt zum Thema  und zum Problem werden.  Wieso nicht von Anfang an den richtigen Weg einschlagen mit einer professionellen Begleitung und fundiertem Wissen? Anstatt später in sicher viel mehr als 6 Lektionen ein Fehlverhalten oder eine Fehlverknüpfung umzutrainieren.

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