Von Leinenziehenden, Pfeifenden und Dominierenden - Menschen

 

Wieso nur wurde das Kursobligatorium für kleine Hunde - oder besser: für deren Besitzer - abgeschafft? Diesen Satz habe ich heute gleich zweimal innerlich für mich gedacht. Dabei habe ich mir beim letzten Beitrag vorgenommen: der nächste Blog wird super positiv! Aus aktuellem Anlass schiebe ich diese Zeilen jetzt trotzdem ein.
Ich kann schlicht und ergreifend nicht nachvollziehen, weshalb der Mensch davon ausgeht, dass sein Hund dumm ist, wenn er das Wort langsam nicht versteht (ohne vorausgehendes Training natürlich!) oder wenn er auf den Pfiff mit Hundepfeife nicht zurückkommt (ohne Aufbau versteht sich!). Der arme kleine Hund an der Töss wurde von seiner Besitzerin so richtig verbal erniedrigt. Ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken, dass es eventuell mit ihrer Lernmethode zu tun hat. Sie ruft langsam, wenn der Kleine an der Leine zerrt und sie pfeift in ihre Trillerpfeife, wenn Hundi gerade von ihr wegrennt. Toll! Der Hund lernt: zerren heisst langsam und wegrennen heisst pfifff.


Wenn man auch nur eine kleine Ahnung hat, wie ein Hund lernt, und dass es von Bedeutung ist, ein Signal zuerst mit dem erwünschten Verhalten zu verknüpfen, steht man einfach ungläubig da ob soviel Unwissenheit und Ungerechtigkeit dem Vierbeiner gegenüber.
Und wenn man eine Idee davon hat, dass auch Hunde - ja genau!- merken, wenn man sie verbal dauernd fertig  macht und das genauso frustrierend erleben wie wir Zweibeiner, würde man der Halterin am liebsten die Leine in den Mund stopfen, um sie zum Schweigen zu bringen. Tue ich natürlich nicht, sondern versuche ihr freundlich zu erklären, dass der Hundi sie nicht versteht aus den genannten Gründen. Da war sie GANZ anderer Meinung. Die im Tierfachhandel hätten ihr die Pfeife empfohlen für den Rückruf, sie hat sie extra zu diesem Zweck vor 3 Tagen!! gekauft. Ehrlich, wie dämlich ist der Mensch? Ja, ich weiss, ich werde langsam etwas ungnädig. Ich pfeife auch, aber bis ich im Ernstfall (Rückruf unter Ablenkung) das erste Mal die Pfeife eingesetzt habe, ging ein step by step Training über mehrere Wochen! voraus.
Die zweite Begegnung war nicht minder frustrierend: eine kleine Hündin aus dem Tierschutz, die Ressourcen verteidigt, in dem sie knurrt, wenn die Halterin an ihrem Körbchen vorbeigeht. Ihr Ehemann («wir hatten früher Schäferhunde und haben Schutzdienst gemacht») hat offenbar seit dieser Zeit nichts dazugelernt, bringt sich konstruktiv ins Gespräch ein und meint: «am Nacken habe ich sie – den Hund – gepackt und geschüttelt und auf den Rücken gedreht». Und was hat`s gebracht: Das Problem hat sich verschärft, jetzt schnappt sie auch noch. Fazit: nächstes Mal noch mehr schütteln?
Ich war einen Moment einfach nur sprachlos. Und dann stieg in mir der Aerger hoch. Darüber, dass es immer noch solche dilettantischen Exemplare von Hundehaltern gibt, die nach dem Dominanzprinzip mit Gewalt den Hund so verängstigen, dass er in der Aggressionsskala eine Stufe nach oben rückt- respektive rücken muss- weil er um sein Leben fürchtet. Darüber, dass genau diese Menschen keinen Kurs mehr besuchen müssen ( genau, er hatte ja vor 30 Jahren Schäferhunde) und genau diese Menschen den armen Vierbeinern soviel Leid zufügen.
Da war das erste Beispiel gerade noch harmlos, obwohl ich es fast genauso schlimm erleben, wenn Menschen über ihre Hunde schimpfen und sie als dumm und nicht lernfähig bezeichnen. Ohne zu merken, dass der kluge Hund genau das lernt, was sie ihm vermitteln, nämlich Verknüpfungen im falschen Moment.
Aus diesen und anderen Gründen plädiere ich für ein Kursobligatorium für ALLE inklusive Zusatzprüfung – nein, nicht für den Hund , für den Menschen: wie begegne ich einem Tier respektvoll und mit Liebe. Und ich habe mir vorgenommen, an einem Samstag morgen sicher nicht mehr mit meinen 3 Hunden an der Töss unterwegs zu sein oder weiträumig auszuweichen, wenn Zweibeiner mit Hund in Sichtweite ist. 

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