Reduktion in der Kommunikation

Vieles ist bereits über die Kommunikation von Mensch und Hund geschrieben worden; und ich trage mit Sicherheit nichts neues dazu bei. Wissen wir doch alle, dass Hunde Meister sind im Lesen der Körpersprache und der Mimik.

Und genau da liegt der arme Hund auch schon begraben. Respektive steht er vor einer ganzen Menge Fragezeichen, die der Mensch in Hülle und Fülle dem Vierbeiner entgegenwirft. Unbewusst versteht sich und absichtslos. Das mit den Fragezeichen meine ich, nicht das mit den «Hörzeichen». Die Hörzeichen meint der Mensch durchaus ernst, ruft er sie doch auch in Folge, repetitiv und im Crescendo, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Und auch Synonyme dürfen nicht fehlen, schliesslich soll der Hund es ja ganz genau wissen, beziehungsweise hören und dementsprechend reagieren. Ein klassisches Beispiel aus dem Alltag:

Hund schnüffelt bisschen rum, Mensch möchte denselben in seine Nähe beordern und ruft enthusiastisch HIER. Hund schnüffelt unbeeindruckt weiter. Mensch wird lauter HIIIER. Hund zuckt ganz kurz mit der linken Wimper. Mensch wir deutlicher: Fido HIER. Fido findet gleich noch eine andere Schnüffelstelle und dreht dem Menschen seinen Wertesten zu. Mensch wird nun sehr bestimmt: Fido sofort HIER HER. Hund denkt: wie war das nochmals? Stufe 3 von 8? Schnüffelt zufrieden weiter, da ja noch ausreichend Zeit und Möglichkeiten. An dieser Stelle beende ich die Uebung mit Eskalationsstufe 8: Fido jetzt reichts, sofort HI-EEEER ZU MI- EEER, aber Daaaallliiiii. Sonst fällt heute das Essen aus.
Endlich denkt Fido, hat aber gedauert heute bis zur Stufe 8. Dann geh ich mal meine Belohnung abholen – denkts und läuft freudig wedelnd in Richtung Mensch, der da völlig aufgebracht und vorneübergeneigt seinen Hund in Empfang nehmen will.
Auweja, schaut gar nicht gut aus; da dreh ich lieber noch eine Erkundungsrunde, bedrohen lasse ich mich sicher nicht! Oder ich versuchs mal mit bisschen Beschwichtigen? Bogen laufen und Nase runter? Was hat der bloss, denkt sich der Hund.
So oder ähnlich könnte eine Hund – Mensch – Interaktion ausschauen.
Die Hunde tun ihr Bestes, um rauszufiltern, was wir ihnen in hunderten von Sätzen an den Kopf werfen: Mensch, was möchtest du von mir? Nicht selten massregelt der Mensch seinen Hund für ein Verhalten, lacht aber dabei, weil es ja so niedlich ausschaut, wenn klein Welpi hinter der Taube herjagt oder das Brötchen vom Tisch klaut. Wie kann der Hund da seinem Menschen Vertrauen und Respekt entgegenbringen? Der sagt was und tut was ganz anderes oder umgekehrt. Oder der Mensch erklärt seinem Vierbeiner in blumiger Sprache, weshalb es gerade jetzt sehr wichtig ist, an dessen Seite zu gehen, weil da ein sooo grosser Hund entgegenkommt und der so böse schaut und wir ganz brav zusammen jetzt da vorbeigehen, gell, wir machen das guuut, schön bei mir bleiben FUSS, ja laaaaangsam, nein nicht ziehen, HIER … etc. Kommt dir das bekannt vor?
Wir reden und reden mit unseren Hunden und nehmen es persönlich, wenn diese nicht adäquat reagieren und die von uns gesendete Botschaft nicht zur Kenntnis nehmen.
Wenn wir die feine Kommunikation von Hunden beobachten, wie präsent sie sind, wie differenziert sie Mimik und Körper einsetzen, um ihren Anliegen Nachdruck zu verleihen. Ohne erklären, ohne viel drumrum reden. Manchmal so dezent, dass wir es gar nicht mitbekommen.
Und genau deswegen haben Hunde auch das Smartphone noch nicht entdeckt. Soviel Raum für Missverständnisse und Interpretation, wenn die Stimme das einzige Uebertragungsmedium für Botschaften ist. Soviel Doppeldeutigkeit, soviel überflüssige Informationen auf mehreren Kanälen
Hunde kommunizieren primär über Körpersignale und Mimik, wir kommunizieren je länger je mehr nur noch über Sprache, in dem wir Wörter und Sätze in den virtuellen Raum stellen, die dann von einem Gegenüber in Empfang genommen und interpretiert werden.
Hunde ticken da etwas anders. Dem Hund – sei – Dank möchte ich da noch anfügen. Was bedeutet das denn nun für den Menschen, der zum Hund gehört?
Werde präzise in deinen Bewegungen und achte auf deine Mimik; sei sparsam und prägnant mit Worten; werde kongruent in der Kommunikation; auf eine Ansage folgt eine Reaktion und wenn es nicht die erwünschte ist, reflektiere dich selber und schau ganz genau hin.  Sei konsequent und gerecht. Ueberlege dir genau, was du von deinem Hund willst und wie du ihn dazu bringst, mit dir zu kooperieren. Sei zielorientiert und fokussiert. Passe die Anforderungen dem Ausbildungsstand an und nicht dem letzten Youtube-Filmchen, das du geschaut hast über Hundeerziehung. Erkenne deine Grenzen und Möglichkeiten genauso wie diejenigen des Hundes. Quervergleiche bringen dich nicht weiter, weil jedes Team andere Voraussetzungen hat. Einzig und alleine zählt, dass du dir ganz bewusst wirst über deine Interaktionen und Intentionen. Und Freude hast am gemeinsamen Wachsen. Nur so kannst du weiterkommen und weitere Lernschritte mit deinem Vierbeiner bewältigen, die beiden Freude machen.

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