"Ich bin mit Hunden und Katzen aufgewachsen, deshalb....."

Was muss ich jedesmal innerlich schmunzeln, wenn ich unter Qualifikationen HundetrainerIN als ersten Satz lese:
«Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Bereits im zarten Alter von 1.5 Jahren hatte ich meinen ersten Kontakt mit einem Golden Retriever in unserer Familie. Leo durfte immer neben meinem Bett schlafen. So habe ich schon im Baby- und Vorschulalter wichtige und prägende Erfahrungen mit Hunden machen können, die mein heutiges Arbeiten nachhaltig beeinflussen. Diese Nähe und Vertrautheit mit Leo versuche ich an meine Kunden weiterzugeben. Durch das tägliche intensive Beobachten von Leo und die innigen Schmusestunden, habe ich die Sprache der Hunde sozusagen im «Baby»schlaf – äh - -alter studiert. Da wir auch noch einen gelben Kanarienvogel als Haustier hatten, habe ich meine ersten wichtigen Erfahrungen mit hündischem Jagdverhaltem machen dürfen.

Dafür bin ich dem Vögeli Hugo auch heute noch sehr dankbar, auch wenn es leider die Attacke nicht überlebt hat. Aber es hat mich in meiner jetzigen Tätigkeit als Hundetrainerin mit Schwerpunkt Jagdverhalten doch massgebend geprägt. Der Berufswunsch, selber HundetrainerIn zu werden, entstand dann erst Jahre später. Schon lange fühlte ich mich in meiner aktuellen beruflichen Tätigkeit nicht mehr ausgefüllt und ich verspürte eine grosse innere Leere.  Da erinnerte ich mich an LEO. Und wie toll ich ihn schon als Kleinkind beeinflussen konnte. Er sass zum Beispiel immer vor meinem Kindersitz, wenn ich am Essen war. Und das ohne Hörzeichen und Kommandos. Er fand alle Krümel auf dem Boden, einfach ein genialer Hund. So habe ich meine Fähigkeiten und Talente genutzt und die Ausbildung zum Hundepsychologen und Hundewissenschaftler abgeschlossen.
Sie schmunzeln auch? Dann gönnen Sie sich einfach mal eine halbe Stunde amüsante Lektüre unter der Rubrik: über mich oder so ähnlich.
Würden Sie zu einem Arzt gehen, der in seiner Bio schreibt: schon früh beschäftigte ich mich mit den Puppen meiner Schwester. Es interessierte mich schon damals, was sie in ihren Bäuchen haben. Und diese Leidenschaft fürs Sezieren und Rumschnippeln begleitet mich bis heute in meiner Tätigkeit als Hausarzt.
Oder würden Sie ihr Kind präferiert zu einer Lehrperson in den Privatunterricht schicken, die auf ihrer Webseite schreibt, dass sie schon als Kind Schule gespielt hat mit dem kleineren Bruder. Und dass sie immer die LehrerIn war, weil sie alles befehlen durfte? Und sie schon immer solche Freude an Schreibheften und Büchern hatte?
Oder würden Sie einen Tanzkurs vorallem deswegen buchen, weil die Tanzlehrerin schon als Kind so sehr Freude am Bewegen hatte und sich schon als zarte 5 jährige immer die hohen Schuhe der Mutter ausgeliehen hat, um sich wie eine Ballerina zu fühlen?

Im Ernst; ich bin jedesmal peinlich sehr berührt ( oder: sehr peinlich berührt), wenn ich diese: «ich – bin – mit – Hunden – und - Meerschweinchen aufgewachsen» rührseligen Sätze lese.
Und wir HundetrainerInnen wollen eine ernstgenommene Berufsgruppe sein oder werden? So geht das sicher nicht. Da wird eine kindlich - tierische Erfahrung im wahrsten Sinne des Wortes als berufliche Qualifikation aufgeführt.  Nach dem Motto:  Ich - mach - mein -  Hobby -  zum - Beruf. Und weil ich es so gerne tue, arbeite ich auch fast umsonst. Ist ja schliesslich mein Hobby.
Liebe HundetrainerkollegInnen, bitte verschont die hundeschulinteressierte Menschheit mit euren Schilderungen aus der Kindheit und werdet in diesem Punkt bitte erwachsen, respektive professionell. Das täte unserer Berufsgruppe einfach wohl.

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