Achtung - Fertig - Los!

Eine ganz alltägliche Situation: Kaum hat Herr Schnell den letzen Schluck seines Morgenkaffees getrunken, steht Rüde Rudi schon bereit und dreht seine Runden von Haustür zum Frühstückstisch, begleitet von einem aufgeregten Fiepen und Kläffen. Herr Schnell beruhigt: Ja, ja ich komm ja schon, bin sofort bei dir, nur noch SCHNELL Schuhe und Jacke anziehen und dann bin ich bereit.
Mittlerweile kläfft Rudi hinter der Haustür, die Leine im Visier. Laut und fordernd. Ohgottohgott, die Nachbarn. SCHNELL Halsband und Leine befestigen, los geht`s. Im wahrsten Sinn des Wortes: Haustür auf, Herr Schnell rennt hinter Rudi her die Treppen runter, sein Versuch, Rudi mit einem Langsam zu bremsen scheitert kläglich. Wieso denn langsam? Da draussen wartet die Welt auf mich. Denkt`s und schon ist die nächste Ecke Vergangenheit. Nur noch 100m bis zur Wiese, wo Rudi so richtig lospreschen  kann. Herr Schnell steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, als er mit einer SCHNELLEN und geübten Handbewegung den Karabiner von der Leine löst und seinen Rudi am Horizont entschwinden sieht.


Nach gefühlten 5 Minuten kommt letzterer zurück, Zunge hängt schon etwas länger, ein Funkeln in den Augen, voller Abenteuerlust: Los was ist, wo bleibt mein Ball? Kläff Kläff, bisschen dalli. Herr Schnell beeilt sich, das Objekt der Begierde aus seiner Tasche zu holen, schliesslich soll Rudi ja müde sein, bevor er selber dann zur Arbeit muss. So vergehen ca. 20 Minuten und grob geschätzt 40 Würfe und Rudi wird und wird nicht müde. Naja, was soll`s, da  kommt ja noch Rudis Kumpel Alfi vorbei, sollen die beiden nochmals so richtig toben.
Zwei Menschen stehen da im noch kühlen Morgen, die Leinen um den Hals gehängt und erfreuen sich am wilden Spiel der Hunde.  Es wird Zeit, die Arbeit ruft und beide rufen ihre Racker, doch die haben kein Gehör. Geht`s noch, jetzt, wo`s gerade so lustig ist. Die Arbeit ruft lauter, und die beiden Herren auch. So vergehen dann nochmals einige aufregende Spielminuten, bis die beiden Hunde sich daran erinnern, dass da doch auch noch was mit Gudis war.
Sie kommen mal eben so vorbei, Blick schon auf die Futterhand gerichtet,  geht`s bisschen schneller mit den Würstli? Stup`s ich doch lieber nochmals dran. denkt`s, frisst`s und rennt`s. 

An dieser Stelle wechseln wir die Bühne und lassen die beiden Herren mit ihren Hunden irgendwann nach Hause gehen.
Vielleicht schmunzelt der Leser und denkt: Also ehrlich, so was gibst bei mir aber nicht. An dieser Stelle seien noch ein paar andere Situationen aus dem Alltag erwähnt:

- Mia sieht auf der anderen Strassenseite ihren begehrten Tobi und hechtet sofort in die Leine
- Der Karabiner clickt und Bella rennt, ohne auch nur eine Sekunde zu warten
- Der Besuch wird zuerst von 2 Pfoten umarmt, bevor die Gastgeber ins Spiel kommen
- Ein Ball fliegt weg und Rufus hinterher
- Da liegt was Verlockendes auf dem Boden, das kriege ich, bin eh schneller - denkt der Hund!
-  Rückruf klappt, Stella unterwegs zu ihrem Menschen, würde da nicht aus dem Nichts ein anderer Hund auftauchen
- Oh, eine Spur im Wald, Nase runter und los
-  Was, heute keine Belohnung für das Sitz? Geht`s noch - denkt der Hund und kläfft
- Mein Gutenachtkeks? Hallo vergessen? Das kann nicht sein - denkt der Hund und motzt

Die Liste liesse sich sicherlich noch um einiges Verlängern. Was aber daraus hervorgeht ist:
Impulskontrolle hat viel mit guter Erziehung zu tun. Wer sich auch als Mensch nicht beherrschen kann und jedem Reiz von aussen nachgibt, schafft sich keine Freunde. Selbstkontrolle ist angesagt, um in einem sozialen Setting geschätzt und akzeptiert zu sein. Bei unseren Hunden verhält es sich nicht anders.
Zudem ist es halt auch im Leben so, dass nicht jedes unserer Bedürfnisse sofort und unmittelbar befriedigt werden kann. Wo kämen wir denn da hin! Wer seinem Welpen nicht zu gegebener Zeit - und das nicht erst im Alter von 6 Monaten - beibringt, dass ein inneres Bedürfnis zwar gehört aber nicht in jedem Fall bedient wird, kreiert sich den Problemhund von morgen.
Ein quengelnder Hund, der kein bisschen Frust aushalten kann, zerrt und reisst ganz schön an den Nerven. Wer kennt nicht - natürlich nur vom Sehen :-) - den frustjammernden, heulenden und protestierenden Junghund an der Leine: Waldi will weiter, während sein Mensch in ein Gespräch verwickelt ist. Geht gar nicht denkt der Hund, da mach ich mal Radau; Bella hat ihren Freund entdeckt, ihr Mensch hat es heute aber eilig. Geht gar nicht, denkt die Hündin und schon wird protestiert.

Ja, und wie mache ich das denn nun mit der Impulskontrolle und der Frusttoleranz?

Einfach Übungen für den Alltag:

- Blickkontakt aufbauen und vor jedem Freilauf einfordern, sodass der Welpe oder Junghund mit der Zeit von sich aus zuerst abfragt, was Sache ist.
- Den Karabiner an der Leine immer mal wieder clicken lassen, ohne den Hund frei zu geben.
- dem Alter angepasst einen Moment vor dem Fressnapf warten lassen, Blickkontakt und erst dann wird geschlemmt
- nicht auf jede Spielaufforderung oder jedes Anstupsen des Welpen eingehen, auch wenn die Verlockung noch so gross ist
- nicht auf  Aufmerksamkeitsfiepen reagieren, sondern erst, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist (vorausgesetzt, dem Hund geht es gut, alles in Ordnung und Sie haben ihn nicht überfordert mit zum Bsp. zu langem Alleinesein oder Sonstigem)
- ein Pause - Signal einführen, damit der Welpe weiss, wann sein Mensch gerade gar nicht zur Verfügung steht
- Konsequenz: heute so und morgen genauso!
- Der Hund soll Sozialkontakt haben, aber in Massen; lassen Sie regelmässig auch mal einen Spaziergang ohne Rumrennen mit Hundekollegen ins Programm einfliessen. Nicht jeder Vierbeiner bedeutet: Achtung fertig los!
- kleine spielerische Übungen für zu Hause oder unterwegs : dazu werden Sie viele Übungen in der Hundeschule mitbekommen :-))

Ich freue mich auf Sie und Ihren Vierbeiner!

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