Ich bin dann mal weg

Als Hundehalter haben wir diese Situation sicher schon mal erlebt: Mensch steht ziemlich verloren da, weil sein Vierbeiner sich aus dem Staub gemacht hat, um einer spannenden Spur zu folgen oder um sich andersweitig zu vergnügen. Spätestens, wenn sich diese Momente häufen auf dem Spaziergang, stellt der Mensch sich die Frage, ob etwas in der Erziehung nicht so optimal gelaufen ist.

Hundebesitzer melden sich öfters dann, wenn ihr Welpe zum forschen Junghund mit grossem Erkundungsdrang herangewachsen ist. Oder der bereits erwachsene Hund die Rückruf- und sonstigen Signale ignoriert und für sich alleine spazieren geht.
Naheliegende Lösung: den Hund an die Schleppleine zu hängen ohne aber aktiv an einer Veränderung zu arbeiten.  Als Managementmassnahme sicher ganz nützlich. Aber als Methode für eine bleibende Verhaltensänderung des Hundes UND seines Menschen auf diese Weise leider nicht zu gebrauchen. Ohne Training ist nach 6 Monaten die Leine wieder weg und Fido auch. Im besten Fall lassen wir es erst gar nicht soweit kommen. Und im zweitbesten Fall müssen wir die Zeit an der Schleppleine nutzen, um ein effektives Training aufzubauen. Im Prinzip schaut das Training sowohl im ersten wie auch im zweiten Fall in etwa gleich aus.
Die grundlegende Fragestellung ist: "Wie schaffe ich es, dass ich einen Hund habe, der sich auch draussen in einem akzeptablen Radius um mich herum aufhält, sich an mir orientiert und sich in jeder Situation abrufen lässt."
Die wichtigsten Elemente eines solchen Trainings sind: Radiustraining und Orientierungstraining ( Pia Gröning: Antijagdtraining). Auch wenn wir uns hier nicht primär mit Jagdverhalten befassen, gehören diese 2 Elemente in der Hundeerziehung zum absoluten Muss. (90% der Hunde jagen sowieso aus Langeweile und nicht aus purer Jagdpassion).
Im Welpenalter ist der kleine Hund sehr bemüht, seinen Menschen ja nicht aus den Augen zu verlieren. Wir freuen uns darüber und kommen gar nicht auf die Idee, auch etwas als Gegenleistung zu tun. Und ganz unbemerkt und schleichend vergrössert Klein -  Fido dann seinen Bewegungsradius. Spätestens jetzt! müssen wir uns einbringen. Ein Spaziergang auch mit einem älteren Hund, der die Tendenz hat, lieber sein eigenes Ding zu machen draussen, fordert unsere ganze Präsenz und Aufmerksamkeit. Mit einem jungen oder sehr selbstständigen älteren Hund liegen - von uns aus gesehen - entspannte, in den eigenen Gedanken versunkene Schlendereien in der Natur einfach nicht drin. Ebensowenig, sich am Handy zu unterhalten oder angeregt in ein Gespräch vertieft zu sein. Im Prinzip sollten wir uns auch fragen, weshalb denn unser Hund seine eigenen Beschäftigungen sucht draussen, anstatt sich öfters mal in unserer Nähe aufzuhalten. Die Antwort liegt auf der Hand: weil wir eben langweilig sind aus Hundesicht.
Auf einem Spaziergang mit Hund im Freigang oder im Radius einer 6 - 10m Schleppleine haben wir verschiedene Möglichkeiten, uns einzubringen und für Fido existent zu werden.
Beim Radiustraining geht es darum, dem Hund den definierten Radius vorzugeben. Wir sind achtsam und sobald sich der Hund zum  Ende des Radius hin bewegt, wird er von uns mit einem Signal gestoppt, verlangsamt oder zum Umdrehen animiert. An dieser Stelle folgt kein Beschrieb des Schleppleinentrainings (siehe Pia Gröning, Antijagdtraining). Das Radiustraining wird zwingend kombiniert mit einem Orientierungstraining. Beim Orientierungstraining soll der Hund lernen, auf seinen Menschen zu achten. Sowohl in der Nähe wie auch auf Distanz. Das Radiustraining funktioniert also nur, wenn der Hund lernt, mit seinem Menschen in Kontakt zu sein. Ansonsten wären wir bei der Variation Schleppleine für 6 Monate ohne Orientierungstraining und danach Status Quo. Wie schaffen wir es nun, dass der Hund uns immer wieder abfragt unterwegs, freudig unsere Nähe sucht, zurückkommt, wenn wir ausser Sicht sind, stehen bleibt, wenn auch wir stehen bleiben etc.?
Ein wichtiger Baustein ist das Üben und Einfordern von Blickkontakt. Sobald der Hund uns anschaut, wird er verbal, ab und zu mit Futter oder Spielzeug belohnt, je nach Ausbildungsstand. Auch auf Distanz dreht sich Fido immer mal wieder um und schaut zurück, Blick belohnen. Es soll sich für den Hund lohnen, mit seinem Menschen in Blickkontakt zu sein. Im Weiteren gehören spontane angekündigte und nichtangekündigte Richtungswechsel dazu. Der Hund soll von sich aus schauen, wo wir langgehen. Gerade mit Welpen- und Junghunden dürfen solche Übungen oder Spiele auf Spaziergängen nicht fehlen. Sich ab und an verstecken, wenn Fido weiter weg ist und sich grossartig freuen, wenn er uns findet, sind ebenso wichtig. ( Achtung: den Möglichkeiten des Hundes anpassen!). Und natürlich alles, was dem Bindungsaufbau generell förderlich ist: Suchspiele; Futterbeutel fallenlassen und Fido zurücksuchen lassen; kurze animierte Spielsequenzen, auch mal wenn Fido von sich aus zu uns kommt; gemeinsam etwas entdecken, zum Bsp. einen Bach durchqueren oder über Baumstämme klettern; alles belohnen, was Fido in unsere Richtung macht (Blick, umdrehen, langsamer werden, zurückkommen, auf uns warten etc.).
Wir müssen nicht den Clown mimen für unseren Hund, das würde er sowieso nicht ernst nehmen. Aber wir sollten doch mit Freude und Spass MIT IHM unterwegs sein. Schicken wir unseren Hund immer zum Spielen mit anderen Hunden, denen wir begegnen und hoffen, dass er nach dem Spaziergang müde ist, haben wir vielleicht dieses Ziel erreicht. Der Hund hat aber ziemlich sicher wenig Denkleistung an uns verschwendet. Er blendet uns spätestens dann ein, wenn wir ihn anleinen oder ein NEIN oder PFUI oder HIER rufen. Wir bleiben in dem Fall nichts anderes als Spielverderber, die man draussen im besten Fall hinter sich lässt.
Haben sich Verhaltensweisen bereits eingeschlichen, ist es natürlich sehr viel langwieriger, diese zu verändern. Da braucht es sicher auch Abbruchsignale, um den Hund im Vorhaben zu stoppen um ihn dann auf uns umzulenken. Wir müssen grundsätzlich umdenken, uns viel mehr einbringen, und den Hund weniger sich selber überlassen. Ein ganzes Stück Arbeit, das aber ganz sicher Früchte trägt und Mensch und Hund zusammenbringt.

  • Erstellt am .
Standort Dorf und Korrespondenzadresse
hund-individuell   Bea Koti   Strehlgasse 2   8458 Dorf
Telefon: 052 202 83 59   Handy: 078 794 03 60   E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Standort Winterthur
Unsere Kurse finden – wenn nicht anders ausgemacht – auf dem Eschenberg (Eschenbergstrasse 1) in 8400 Winterthur statt.
Zum Routenplaner